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Schlandi und Crémant

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Hübscher könnte die Welt kaum sein, als an diesem Tag. Sie nippte an dem schokoladigen Kakao mit der höchstmöglichen Sahnehaube und der feinen Nelken- und Zimtnote, blickte aus dem Fenster und verlor sich im Anblick der sanft herabgleitenden Schneeflocken. Sie war sich nicht sicher, ob sie das leise Rieseln tatsächlich hören konnte, oder ob es das übliche Knistern in ihren Ohren war, das sich gnädig in das kitschige Winterbild einfügte. Sie sank noch ein bisschen tiefer in ihren kuscheligen Sessel und lächelte. „Linda?“, wurde sie aus diesem schönen Moment gerissen. Sie wandte ihren Blick von Fenster ab und schaute in das Gesicht von Maxi, die mit großen Augen eine Antwort auf ihre Frage einforderte. „Ob du schöne Weihnachten hattest“, wiederholte Maxi die Frage. „Ja, entschuldige. Nicht so leicht zu beantworten.“ „So schlimm?“ „Nein. Nein. So gut. So großartig. Perfekt“. Linda lachte unsicher. Als könne sie ihre eigene Bewertung nicht ganz ernst nehmen. Maxi legte ihre Stirn in Falten...

Der Mann, der in der Ecke stand

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 Das Wetter war seit Wochen trüb. Ihre Gedanken waren es auch. Schon eine ganze Weile war nichts wirklich gut, doch befand sie sich wenigsten unter Freundinnen.  Diese Momente waren ihre Oasen und sie war dankbar, dass sie ihr so oft vergönnt waren. Die Abende mit ihren drei Besten. Seit dem Studium trafen sie sich mindestens einmal die Woche. Nicht selten noch öfter. Es waren die Menschen, mit denen Miriam mit Abstand die meiste Zeit verbrachte. Mehr als mit ihren Eltern, zu denen sie ein recht zerrüttetes Verhältnis hatte. Und ein Partner war da ohnehin nicht, seit er sie verlassen hatte. Ohne wirkliche Begründung. Aus ihrer Sicht war eigentlich alles gut gelaufen und nun ist er fort und sie folgt ihm nur noch im Internet. Sieht Fotos von ihm auf Reisen in tropischen Ländern, oder posierend vorm neuen Auto. Wo war der Geiz nur hin, fragte Miriam sich, der ihn während der Beziehung von solchen Ausgaben, die damals ihnen beiden zu Gute gekommen wären, abgehalten hatte? Aber se...

Gesegneten Wein verschwendet man nicht

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Ein Mann stand in der Nacht vor einer Tür, deren Anblick etwas in ihm weckte. Ohne ein Ziel, ohne einen Plan griff er nach der Klinke, drückte sie herunter und zog. Die Tür zur Sakristei war unverschlossen. Was für ein Zufall. Oder auch nicht. Nein, eigentlich kam es immer schon sehr oft vor, dass sie nicht verriegelt war. Nicht, weil man sich hier im Ort so sehr vertraute, sondern weil die Küsterin einfach nur oft vergaß abzuschließen. Überall sonst in ihrem Leben hatte sie es immer nur mit Haustüren zu tun gehabt, die von Außen einen Knauf besaßen, mit dem man sich, wenn zugezogen, nicht so einfach Zutritt verschaffen konnte, und wenn sie auch insgesamt sehr gewissenhaft war, so hatte sie doch erhebliche Schwierigkeiten damit, sich an Dinge zu gewöhnen, die nicht ihrer gelernten Norm entsprachen.  Früher, als Kind hatte er oft extra einen Umweg gemacht, um zu prüfen, ob die Tür abgeschlossen war. War sie es nicht, ist er mit stolzgehorsamen Eifer die zwei Straßen zum Haus der Küs...

Kaulquappe

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   Er schwamm. Immer schon. Kannte nichts anderes. Bewegte sich sachte in der ihn umgebenden Flüssigkeit hin und her, soweit der begrenzte Raum es zuließ. So war es immer schon gewesen. Aber was war dieses „immer schon“, bzw. wie lange? Hatte es schonmal ein „immer schon“ gegeben? Zum Beispiel gerade eben noch? Vor Kurzem? Da war doch noch alles anders gewesen, oder? War da nicht irgendwas, das er vergessen, oder falsch in Erinnerung hatte? Es war ihm, als sei er eben noch nicht diese Kaulquappe gewesen, die im engen Raum umher schwamm und sonst nichts tat. Er erinnerte sich dunkel an ausufernde Extremitäten an seinem ohnehin viel stabileren Körper. Er hatte das Gefühl, sonst war da mehr „Außen“ gewesen. Ein Boden. Und etwas anderes, als diese Flüssigkeit, die ihn umgab. Schwer zu beschreiben, was es war – eben einfach das Fehlen der Flüssigkeit. Und was hörte er? Er glaubte, auch vorher Dinge gehört zu haben, aber anders. Unterscheidbarer. Lauter. Konkreter. Nicht dieses endl...

Des Kaisers alte Scheiße

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  Es lebte einst ein Kaiser, der liebte sein Volk über alle Maßen. Pardon, sagte ich „sein Volk“? Verzeiht mir diesen Irrtum, ich meinte „sich“. Er liebte sich. Über alle Maßen. Er konnte vom Anblick seines eigenen Spiegelbildes nicht genug bekommen. Auch der Klang der eigenen Stimme verzückte ihn und nichts fühlte sich besser an, als die eigene Hand am eigenen Körper. Er ließ keine Gelegenheit verstreichen, sein Volk daran zu erinnern, was für ein Glück es doch hatte, ihn ihr Oberhaupt nennen zu können. Dass sie sich auf seine Unfehlbarkeit stets verlassen könnten. Und viele seines Volkes glaubten ihm und waren ehrlich erleichtert, sämtliche Zweifel und eigenes Denken abgeben zu können. Und jene im Volk, die an der Unfehlbarkeit zweifelten, schalt man Lügner, Schwarzmaler und Schlimmeres. Und so lebte es sich, vielleicht nicht gut, aber es lebte sich im Land. Der Kaiser war glücklich. Fast. Je länger er seine Überlegenheit betrachtete, desto mehr gelangte er zu der Überzeugung, da...

Was auch immer uns antreibt

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Das Leben neigt dazu, gnadenlos repetitiv zu sein. So geschah es zum Beispiel auch an diesem Tag, dass sie aufwachte. Sie öffnete die Augen und starrte zu den Deckenpaneelen. Eine ganze Weile. Da war dieser Fleck. Dieser einstige, nie überstrichene Wasserschaden. Immerhin kein Schimmel. Glaubte sie. Würde sie den Fleck nur lange genug betrachten, offenbarte seine Form ihr vielleicht Hinweise auf die großen Fragen des Lebens. Wobei es ihr für den Moment schon ausreichen würde, wenn er ihr verriet, wie sie die Energie aufbringen könnte, das Bett zu verlassen. Denn die Zeit war so ungnädig, unbeachtet ihres Unvermögens irgendetwas zu tun, einfach weiterzulaufen. Was könnte es sein, was würde ihr Antrieb verleihen? Was wäre ein Grund, eine Motivation? Oder – besser – was würde sie konstant so reich versorgen, dass Aufstehen, und alles, was anschließend noch so folgen würde, sich gar nicht wie unsichtbare Hürden anfühlte, die es erst einmal zu überwinden galt. Wenn sie dieses ...

Fünf kurze Geschichten über Kürze

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  1. Geschichte Schöner Anblick – Schöner Tag. Mein Kopf hat sich heute noch nicht entschieden, wie es mir geht. Das Leben ist von immergleichen, weder guten noch schlechten Abläufen geprägt und die guten wie schlechten Nachrichten, seien es globale oder persönliche, scheinen mir recht ausgeglichen vertreten. Das Leben ist, ich bin, der Tag ist neutral. Ich schätze, das ist nicht die übelste Ausgangssituation. Dieser Tag ist ein weißes Papier, soll doch die Welt schauen, was sie darauf malt. Ich gehe durch die Straßen und lasse die Dinge, die ich sehe entscheiden, wie es mir geht. Schön, diese Verantwortung abzugeben. Und das erste, worauf mein Blick fällt, ist ein Liebespaar. Um genauer zu sein: ein altes Liebespaar. Nach meiner Schätzung, auch wenn ich wenn ich in solchen Fragen gerne mal weit danebenliege: sehr alt. Sie stützen einander. Er flüstert ihr etwas ins Ohr, sie kichert, er greift nach ihrer Hand und gemeinsam spazieren sie die Promenade entlang. Ein kurzer Anblick, de...