Des Kaisers alte Scheiße
Es lebte einst ein Kaiser, der liebte sein Volk über alle Maßen. Pardon, sagte ich „sein Volk“? Verzeiht mir diesen Irrtum, ich meinte „sich“. Er liebte sich. Über alle Maßen. Er konnte vom Anblick seines eigenen Spiegelbildes nicht genug bekommen. Auch der Klang der eigenen Stimme verzückte ihn und nichts fühlte sich besser an, als die eigene Hand am eigenen Körper. Er ließ keine Gelegenheit verstreichen, sein Volk daran zu erinnern, was für ein Glück es doch hatte, ihn ihr Oberhaupt nennen zu können. Dass sie sich auf seine Unfehlbarkeit stets verlassen könnten. Und viele seines Volkes glaubten ihm und waren ehrlich erleichtert, sämtliche Zweifel und eigenes Denken abgeben zu können. Und jene im Volk, die an der Unfehlbarkeit zweifelten, schalt man Lügner, Schwarzmaler und Schlimmeres. Und so lebte es sich, vielleicht nicht gut, aber es lebte sich im Land. Der Kaiser war glücklich. Fast. Je länger er seine Überlegenheit betrachtete, desto mehr gelangte er zu der Überzeugung, da...